Ich mache beim Mobbing nicht mit

Ich mache beim Mobbing nicht mit

Dieser Satz kann auf den ersten Blick etwas ungewöhnlich klingen.

Denn wer gemobbt wird, macht doch gar nicht freiwillig mit.

Oder vielleicht doch – zumindest in dem Sinn, dass Mobber versuchen, uns eine bestimmte Rolle zuzuschieben.

Die Rolle des Unsicheren.
Die Rolle desjenigen, der sich rechtfertigt.
Der sich ärgert.
Der Angst bekommt.
Der sich zurückzieht.

Und genau hier kann ein Gedanke helfen:

Ich mache beim Mobbing nicht mit.

Nicht, weil ich so tue, als würde mich nichts berühren.

Sondern weil ich selbst entscheide, welche Rolle ich einnehme.

Mobber suchen eine Reaktion

Wer andere provoziert, beleidigt oder lächerlich macht, möchte meistens etwas erreichen.

  • Eine Reaktion.
  • Vielleicht möchte er sehen, dass sein Gegenüber unsicher wird.
  • Dass es sich verteidigt.
  • Dass es wütend wird.
  • Oder dass es sich immer weiter zurückzieht.

Wenn diese Reaktion ausbleibt, kann das dem Mobbing einen Teil seiner Wirkung nehmen. Statt sich auf lange Diskussionen einzulassen, kann eine ruhige Antwort manchmal viel stärker sein:

„Wenn du ein Problem mit mir hast, können wir darüber reden.“

Oder einfach:

„Da mache ich nicht mit.“

Und dann weitergehen.

  • Keine Rechtfertigung.
  • Kein Gegenangriff.
  • Keine Beleidigung.
  • Nur eine klare Haltung.

Nicht jeder Angriff verdient eine Antwort

Das ist vielleicht eine der schwierigsten Lektionen. Wir haben oft das Bedürfnis, uns zu verteidigen. Wenn jemand etwas Falsches über uns sagt, möchten wir es richtigstellen. Wenn jemand uns beleidigt, möchten wir erklären, warum er Unrecht hat. Aber damit geben wir dem anderen manchmal genau die Aufmerksamkeit, die er sucht.

Es kann deshalb sehr kraftvoll sein, sich innerlich zu sagen:

„Du entscheidest nicht darüber, wie ich mich sehe.“

Das bedeutet nicht, alles hinzunehmen.

Es bedeutet vielmehr, bewusst zu entscheiden, worauf ich reagiere und worauf nicht.

Gerade Kinder sollten das lernen

Ich halte diesen Gedanken besonders bei Kindern für wichtig. Kinder werden irgendwann erleben, dass andere sie ärgern, ausgrenzen oder mit Worten verletzen. Wir können sie nicht vor jeder unangenehmen Situation schützen, aber wir können ihnen etwas mitgeben.

Zum Beispiel:

Du musst nicht jede Provokation annehmen.

Ein anderes Kind sagt:

„Du bist blöd.“

Die natürliche Reaktion wäre vielleicht:

„Nein, bin ich nicht!“

Damit beginnt oft schon die nächste Runde.

Eine andere Möglichkeit wäre:

„Wenn du meinst.“

Oder:

„Okay.“

Und dann geht das Kind weiter.

Die innere Haltung des Kindes ist:

„Deine Worte bestimmen nicht, wer ich bin“.

Das kann Kindern enorm helfen.

Stärke bedeutet aber nicht, alles allein auszuhalten

Hier müssen wir Erwachsenen sehr aufmerksam sein.

Aus „Ich mache beim Mobbing nicht mit“ darf niemals werden:

„Ich muss das alleine schaffen.“

Wenn ein Kind immer wieder beleidigt, ausgegrenzt, bedroht oder körperlich angegangen wird, braucht es Unterstützung.

Dann ist der richtige Satz vielleicht:

„Ich lasse mich darauf nicht ein – und ich hole mir Hilfe.“

Eltern, Lehrer oder andere Vertrauenspersonen müssen dann Verantwortung übernehmen.

Ein Kind sollte wissen:

Hilfe holen ist kein Petzen.

Es ist ein Zeichen dafür, dass ich meine Grenzen ernst nehme.

Was wir Kindern mitgeben können

Vielleicht sollten wir mit unseren Kindern nicht nur darüber sprechen, dass sie andere nicht mobben sollen.

Wir sollten ihnen auch zeigen, wie sie reagieren können, wenn jemand versucht, sie kleinzumachen.

  • Ruhig bleiben.
  • Nicht jeden Angriff annehmen.
  • Nicht zurückbeleidigen.
  • Sich nicht endlos rechtfertigen.
  • Klar Grenzen setzen.

Und Hilfe holen, wenn die Situation nicht aufhört. Das ist keine Garantie dafür, dass Mobbing sofort endet, aber es gibt dem Kind etwas Wichtiges zurück:

Handlungsmöglichkeiten.

Das Gefühl: Ich bin dieser Situation nicht völlig ausgeliefert.

Eine Haltung fürs Leben

Vielleicht gilt dieser Gedanke nicht nur für Kinder.

Auch als Erwachsene begegnen uns Menschen, die provozieren, abwerten oder versuchen, uns kleinzumachen. Wir können nicht bestimmen, wie andere Menschen handeln aber wir können bestimmen, was wir daraus machen.

Manchmal ist die stärkste Antwort deshalb überraschend einfach:

  • Ich lasse mich nicht in deine Auseinandersetzung hineinziehen.
  • Ich entscheide selbst, wie ich über mich denke.
  • Und ich mache beim Mobbing nicht mit.

Ein Gedanke zum Schluss

Vielleicht sollten wir unseren Kindern nicht nur sagen:

„Lass dich nicht ärgern.“

Sondern ihnen zeigen, wie das gehen kann und ihnen gleichzeitig vermitteln:

Du darfst stark sein. Und du darfst dir Hilfe holen. Beides gehört zusammen.

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